Was ist dieses Dur und Moll?

WAS IST DIESES DUR UND MOLL?

 

Diese Frage hat mir ein Freund gestellt, als wir zusammen im Auto saßen. Er, ein Kfz-Mechaniker, hört sehr gerne klassische Musik im Hintergrund, weil ihn das beruhigt. Allerdings kommen vor oder nach den Musikstücken immer Ansagen wie "Sie hörten die erste Sinfonie von Ludwig van Beethoven in C-Dur.". Ich kann sehr gut verstehen, wie sehr es einen irritiert, tagtäglich kleine "Das-weißt-Du-nicht"-Watschen verabreicht zu bekommen, weil es mir bei den Börsennachrichten ähnlich geht. Es sind einzelne unbekannte Wörter, die so selbstverständlich benutzt werden, dass ich davon ausgehen muss, im gesamten Sendebereich die EINZIGE unterinformierte Hörerin zu sein, die nicht weiß, was "Indexstände" sind...

 

Im Auto habe ich das Ganze so erklärt:

Dur und Moll sind Baupläne, die vorschreiben, wie eine Melodie aufgebaut sein muss. Wenn der Komponist seine Melodie nach einem Bauplan schreibt, ist es egal, mit welchem Ton er anfängt - sie wird immer gleich klingen, nur eben mal höher, mal tiefer.

 

Für den Moment war der Freund zufrieden, oder vielleicht war er auch noch verwirrter?

Immerhin muss ich zugeben, dass meine Kurz-Erklärung mehr Fragen aufwirft als beantwortet: Woraus sind Melodien aufgebaut, aus Ziegeln? Beethoven hat doch außerdem nicht nur eine Melodie geschrieben, sondern da war doch grade mehr im Radio? Und was ist nun der Unterschied zwischen dem Moll- und dem Dur-Bauplan?

 

Also, Melodien bestehen aus Tönen, und zwar genauer: aus Tonschritten. Von einem Ton zum nächsten kannst Du in einem kleinen Schritt gehen, das klingt dann ein bisschen unheimlich und nennt sich HALBTONSCHRITT.

 

 

 

Am besten siehst Du die Schritte auf der Klaviertastatur: einen kleinen Schritt machst Du, indem Du eine Taste drückst und dann die unmittelbar daneben liegende (rechts oder links ist egal).

 

Einen größeren Schritt machst Du, indem Du eine Taste auslässt. So ein größerer Schritt heißt GANZTONSCHRITT. 

 

Anhören kannst Du Dir diese kleinen (Halbton-) und großen (Ganzton-)schritte z.B. hier.

 

Um eine vollständige Tonleiter zu spielen, machst Du auf der Tastatur von der ersten Taste an einfach sieben Schritte nach rechts. Wenn Du dabei immer auf den weißen Tasten bleibst, hast Du automatisch diese Schritte gemacht:

GROSS -GROSS -klein- GROSS - GROSS - GROSS -klein. 

Diese Schrittfolge nennt man auch Dur. Melodien, die in diesem Dur-Bauplan geschrieben sind, klingen für unsere Ohren unbeschwert und fröhlich. Viele Kinderlieder sind so aufgebaut, z.B. "Alle meine Entchen". Es reicht eigentlich schon, nur die ersten drei Töne zu hören ("Al-le mei-") und mit etwas Erfahrung weiß man gleich: Dur!

 

Der Moll-Bauplan hat auch fünf große und zwei kleine Schritte. Nur die Reihenfolge ist anders: Du machst Deine Schritte 

GROSS -klein- GROSS - GROSS - GROSS -klein- GROSS.

Auch hier reichen die ersten drei Töne (Wie in dem Lied "Fing mir eine Mücke heut"), um zu wissen, woran man ist. "Mollige" Lieder empfinden wir meist als ernst und traurig.

 

Dur und Moll werden auch als das "Tongeschlecht" bezeichnet.

 

Das Ganze kannst Du übrigens auf dem Smartphone ausprobieren! Lad Dir einfach eine Piano-App kostenlos runter und lass Deine Finger auf den Tasten spazieren gehen...

Ab welchem Ton Du Deinen Spaziergang beginnen lässt, ist wurscht. Hauptsache Du machst die Schritte schön brav nach Plan.

 

Bei einer ganzen Sinfonie ist die Geschichte natürlich etwas komplexer, schon weil sie länger dauert als ein Kinderlied. Würde das Orchester nun 25 Minuten lang auf acht Tönen hin und her spielen, müsste der Komponist schon extrem einfallsreich sein, um das für den Zuhörer interessant hinzukriegen. Deswegen bewegen sich Musikstücke meistens in einem viel größeren Tonumfang und bleiben auch nicht nur in Dur oder Moll, sondern wechseln immer wieder hin und her. Dass die Radiosprecherin am Schluss trotzdem von der "Sinfonie in C-Dur" spricht, heißt, dass Beethoven den Anfang und den Schluss seiner Sinfonie nach dem Bauplan der Dur-Tonleiter aufgebaut hat, und zwar mit dem Anfangs- und Schlusston c. 

 

 

Übrigens wechseln Musikstücke nicht nur zwischen Dur und Moll, sondern sie wechseln auch noch die Tonart! Was das nun wieder ist, und wozu wir gleich mehrere von der Sorte brauchen? Dazu demnächst mehr hier in diesem Theater!