Was sind Vorzeichen?

WAS SIND VORZEICHEN?

 

Warum gehen Bratscher ungern auf den Friedhof? Zu viele Kreuze...

Dieser (natürlich grandiose) Witz wird verständlich, wenn Du jetzt weiterliest:

 

Optimal wäre es, vorher "Was ist dieses Dur und Moll?" und "Was sind Tonarten?" zu lesen, dann wird das hier ganz einfach :-)

 

Nehmen wir an, Du bist ein berühmter Singer-Songwriter und hast grade eben einen Hammer-Text geschrieben, auch die Melodie hast Du schon im Kopf, schreibst sie schnell auf und mailst sie Deiner Keyboarderin.

Am Abend der Moment der Wahrheit: die erste Probe mit dem neuen Song!

Die Keyboarderin spielt los, Du versuchst mitzusingen, aber es ist einfach viel zu tief, Du hörst Dich an wie ein kranker Frosch. Was ist los? Bevor Ihr zu streiten anfangt, lieber kurz hinsetzen und nachdenken.

 

Du hast wahrscheinlich Dein Lied in C-Dur notiert. Das kommt dabei raus, wenn Du Deine Melodie einfach auf den weißen Tasten am Klavier klimperst und dann die entsprechenden Noten aufschreibst. Diese "nackten" Noten heißen auch Stammtöne:

Am Klavier klang's auch noch cool, aber Deine Stimme klingt höher besser.

 

Gut, nehmen wir an, Deine Melodie beginnt mit C, Du willst aber lieber mit D anfangen, also einen Ganzton höher. Nun musst Du ab und zu auf eine schwarze Taste ausweichen, damit der Bauplan der Melodie noch stimmt und sie sich noch anhört wie das Original.

Veränderte Töne im Gesang, schwarze Tasten am Klavier - das bedeutet aber auch: veränderte Noten auf dem Papier!

Vom zweiten zum dritten Ton geht die Melodie einen großen Schritt, das heißt auf dem Klavier: eine Taste auslassen, und so kommst Du statt zum f zum fis.

In Notenschrift ausgedrückt sieht das so aus:

Die Raute vor dem f ist kein Hashtag, sondern ein Versetzungszeichen. Es nennt sich "Kreuz". Das Kreuz muss immer herhalten, wenn ein Ton um einen Halbtonschritt erhöht werden soll. Der Stammton verändert mit dem Aussehen und der Höhe auch seinen Namen, damit es keine Verwechslung gibt: Wir hängen ein "-is" hinten dran, wodurch aus f fis wird. Das Ganze funktioniert mit allen Tönen: Aus g wird gis, aus c wird cis usw.

 

Für den umgekehrten Fall (eine Note soll tiefer werden) gibt's natürlich auch ein Versetzungszeichen: ein kleines "b":

An den erniedrigten Stammton hängen wir meistens ein "-es": ges, des, hes - nein!! Obacht Ausnahme: statt hes sagen wir b. Und statt a-es lieber as, und ein vertieftes e wird zum es.

Passt Dir der veränderte Ton nicht mehr, kannst Du ihn das nächste Mal mit dem "Auflösungszeichen" wieder zurückverwandeln:

 

Wenn Du nun ohnehin weißt, dass Dein ganzer Song einen Ton höher geschrieben werden muss, sparst Du Dir den Aufwand, vor jedes f und c ein Kreuz zu schreiben (die beiden Töne sind es nämlich, die höher müssen). Das wäre mühsam und sähe auch unübersichtlich aus.

Lieber machst Du gleich ein für alle mal klar, woran man ist, und schreibst die zwei Kreuze ganz an den Anfang des Liedes:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vorzeichen_(Musik)
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorzeichen_(Musik)

Dann heißen sie VORZEICHEN.

 

Und was ist nun mit dem Bratscher? 

Bratscher (das sind die im Orchester, die zwischen Geigen und Celli sitzen; Bratschen sehen aus wie große Geigen) haben den - natürlich völlig ungerechtfertigten ;-) - Ruf, etwas bequem und arbeitsscheu zu sein. Viele Versetzungszeichen lesen und sich noch zu jedemTon mit Kreuz den passenden Griff suchen zu müssen, passt da nicht gut ins Profil. Also meidet der gemeine Bratscher möglichst alle Situationen, in denen er mit Kreuzen (aller Art) in Berührung kommen könnte...

 

Aber!! Woher weiß ich denn, wann ich welche Vorzeichen verwenden muss? Ich kann das doch nicht jedes Mal ausprobieren?!?

Stimmt. Darum soll's das nächste Mal gehen :-)


Weil mein Notenschreibprogramm grade nicht einsatzfähig ist, habe ich die Notenbeispiele aus dem Netz zusammengeklaubt und jeweils mit der Herkunftsseite verlinkt.