Wozu braucht man verschiedene Tonarten?

WOZU BRAUCHT MAN VERSCHIEDENE TONARTEN?

 

Ja eben! Gute Frage, man könnte doch einfach alle Stücke in C-Dur schreiben, damit würden sich auf dem Klavier die schwarzen Tasten erledigen und bei den Noten diese lästigen Vorzeichen!

 

Einen Teil der Frage habe ich schon beantwortet, siehe "Was sind Vorzeichen?". In der Geschichte warst Du ein berühmter Singer-Songwriter und musstest ein Stück höher schreiben, damit es für Deine Stimme gut passt und Deine Band trotzdem noch mitspielen kann.

 

Dazu kommt jetzt noch, dass nicht für alle Instrumente C-Dur die leichteste Tonart ist. Auf der Gitarre sind andere Akkorde wie G-Dur oder A-Dur viel angenehmer zu greifen. Blechbläser spielen dagegen oft lieber in B-Tonarten.

 

Außerdem hat sich der Gebrauch der Tonarten mit der Zeit entwickelt:

Vor 600 Jahren war es auf den damaligen Instrumenten gar nicht möglich, so viele verschiedene Tonarten zu spielen, weil diese so gestimmt waren, dass Tonarten mit mehr als zwei Vorzeichen schnell schief klangen, und es zum Teil technisch sehr schwierig war (Flöten hatten z.B. noch keine Klappen, so dass Halbtonschritte entweder mit komplizierten Griffen erzeugt oder gleich für unterschiedliche Tonarten verschieden große Flöten gebaut werden mussten.), und weil das Klangideal damals ein anderes war. 

Mit der Zeit wurden Tonarten immer bewusster eingesetzt. Jede Tonart hatte ihren eigenen Charakter, weil die Stimmungen der Instrumente in einer Tonart gleichmäßig große Tonschritte erlaubte, diese in einer anderen Tonart aber plötzlich unterschiedlich groß ausfielen. Ein T-Shirt in Einheitsgröße fällt beim einen eben knapp aus und schlabbert dafür am nächsten.

So kamen blumige Beschreibungen der einzelnen Tonarten zustande, die manchmal eher Horoskopen ähneln als wissenschaftlichen Erkenntnissen und sich auch schon mal widersprechen. Allerdings kann man bei Aufnahmen mit historischen Instrumenten schon hören, dass sich die Tonarten bis vor etwa hundert Jahren noch deutlicher voneinander unterschieden, als das auf den modernen Instrumenten der Fall ist.

 

Trotzdem verwenden Komponisten auch heute noch Tonarten ganz bewusst, auch aus musikalischen Gründen, nicht nur aus pragmatischen. 

Warum einer nun ein Stück ausgerechnet in DER Tonart schreibt, kann wohl nur er selbst gut erklären. Meistens mischen sich verschiedene Gründe: Es ist für eine bestimmte Stimme, oder für bestimmte Instrumente geschrieben, der Komponist mag die Tonart aus persönlichen Gründen, der Saxophonist kann nicht so hoch spielen, der Gitarrist kann keine Barrégriffe, was auch immer...

 

Kannst Du mit dieser Erklärung was anfangen? Hast Du selbst eine Lieblingstonart? Oder noch Fragen? Dann kommentiere gerne im Blog, oder schick mir eine Nachricht!