Welches Instrument passt zu mir?

Diese Frage stellen sich eher Erwachsene, oder sie stellen sie so: Welches Instrument passt zu meinem Kind?

Kinder selbst interessiert das wenig; wenn sie Lust haben, ein Instrument zu lernen, dann wissen sie meistens sehr genau, welches es sein soll.

Sie gehen das Ganze eher so an: Die Lisa spielt Gitarre, das will ich auch.

Oder: Schlagzeug ist cool und laut, das muss ich einfach lernen.

Oder: Bei dem Kinderkonzert hat das eine da so schön geglänzt! …das Saxophon? Keine Ahnung, aber ich will das spielen!

 

Wenn die Initiative vom Kind ausgeht, ist das in jedem Fall schon mal toll! Dann sollte man versuchen, es irgendwie möglich zu machen, das Instrument zumindest auszuprobieren oder sogar einen Schnuppermonat an der Musikschule zu buchen. Anfängerinstrumente kann man sich meistens ausleihen, und dann stellt sich recht schnell heraus, ob das Spielen genauso viel Spaß macht wie das Angucken oder Zuhören.

 

Abgesehen von der kindlichen Logik gibt es aber noch das übliche Dilemma für uns Erwachsene:

Die Qual der Wahl. So wie wir im Supermarkt vor dem Kühlregal verzweifeln möchten, angesichts der einschüchternd großen Vielfalt an Fruchtjoghurts und dann aus lauter Überforderung eher gar keines kaufen, oder das Gleiche wie immer, so kann man auch vor der Vielzahl der Musikinstrumente in die Knie gehen. Blech- und Holzbläser, hohe und tiefe Streicher, klassisches Schlagwerk und Drumset, Kunstgesang oder Jazz, Gitarre oder Klavier…?!?!?

 

Gehen wir mal in uns.

 

Viele, die als Erwachsene ein Instrument lernen möchten, kommen überhaupt nur auf die Idee, weil sie das eigentlich schon als Kind immer wollten, aber nicht durften (weil das Geld fehlte, weil es in der Mietwohnung nicht ging, weil die Eltern kein Verständnis für den Wunsch hatten…?). Welches Instrument wolltest Du damals lernen?

Ich habe immer wieder erwachsene Schülerinnen, die sich mit dem Querflötenunterricht einen jahrzehntelangen Wunsch erfüllen. Als Kind ging’s nicht, aber jetzt: Das Studium ist vorbei, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, das Geld reicht für ein Anfängerinstrument - und endlich kann es losgehen!

 

Manche verlieben sich einfach unsterblich in den Klang eines Musikinstruments, ohne erklären zu können, woran es liegt - wo die Liebe hinfällt… Sie hören es in die Fußgängerzone, im Konzert, im Radio und zack! ist es um sie geschehen. Auch dann ist der Fall einfach.

 

Und auch bei mir war die Entscheidung unkompliziert - es gab keine. Wie das auf dem Land so ist, hat man sowieso nicht die große Auswahl, also ging es unfreiwillig (aber trotzdem mit Begeisterung!) in der zweiten Klasse mit Blockflöte los: Frau Gläser kam herein, jedes Kind bekam eine Billigflöte, dazu den „Flötenpeter“ und „eins-zwei-drei- DÜÜÜÜÜÜÜÜT!“. Die einzige Lehrerin im Ort, die sonst noch Flöte unterrichtete, war Herta, eine Dame vom Gesundheitsamt: Sie drückte uns, sobald die Finger lang genug waren, erst eine Altflöte und später eine Querflöte in die Hand. Damit war „der Kaas gegessen“.

In vielen Dörfern ist es heut noch so: Der Musikverein sucht noch eine Trompete; wer also Musik machen will, lernt eben Trompete.

 

Und in der Stadt?

Um die Entscheidung zu erleichtern, bieten die meisten Musikschulen sogenannte „Instrumentenkarussells“ an. Dort lernen die Kinder alle paar Wochen ein neues Instrument kennen und bekommen so einen ganz guten Überblick. Außerdem können sie schon selber ausprobieren, was ihnen liegt.

Für Erwachsene gibt es dieses Konzept (noch?) nicht, aber auch sie können sich ein bisschen durchprobieren. Mit Schnupperstunden, Probemonaten und Zehnerkarten, sowie Leihinstrumenten kann man sich sein eigenes Instrumentenkarussell basteln. Einfach mal schauen, was es für Angebote in der Nähe gibt und mit einem Instrument anfangen. Falls das keinen Spaß macht, ein anderes.

 

Die meisten haben aber doch schon eine ungefähre Vorstellung davon, was ihnen gefallen könnte.

Zum Beispiel liebt einer den Klang des Cellos, aber im Radio war so ein tolles Blockflötenkonzert, das war auch schön…

Dann werden andere Überlegungen wichtiger:

Wie bewege ich mich gern? Lieber groß und ausladend, mit Kraft? Dann wäre Cello vielleicht geeigneter als Blockflöte. Oder bin ich eher der Feinmotoriker? Dann kann Blockflöte genau das Richtige sein.

 

Oder ist Schlagzeug der feuchte Traum? In einem Mehrfamilienhaus könnte es damit schwierig werden - dafür gibt es aber anmietbare Proberäume und elektronische Drumsets!. Klavierfans können sich statt eines Konzertflügels auch ein E-Piano samt Kopfhörern zulegen.

 

Bei Kindern muss man noch auf ein paar Details achten: z.B. kann man Saxophon oder verschiedene Blechblasinstrumente erst lernen, wenn die vorderen bleibenden Zähne da sind.

Vor- oder Grundschulkinder sind oft noch zu klein für Erwachseneninstrumente, da gibt’s dann Sondermodelle, die kleiner und leichter sind (z.B. Juniorflöten, Viertelgeigen usw.).

 

Es hilft auch, sich Gedanken über den eigenen Musikgeschmack zu machen: Ich liebe den Sound von Bigbands? Dann bin ich mit einem Blechblasinstrument oder einem Saxophon auf einem guten Weg, später selbst in einer mitzuspielen! Klavier ist sehr vielseitig, man kann von alter bis neuer Musik alles drauf spielen, andere Musiker begleiten, in einer Jazzcombo oder Band spielen, allerdings kann man es schlecht mitnehmen. Das geht mit einer irischen Tin Whistle wieder leichter, dafür wird man auf ihr nicht unbedingt Bachs Flötensonaten spielen können. (*)

Neben der intuitiven Liebe zu einem Instrument spielen also rationale Argumente schon auch eine Rolle.

 

Andere Überlegungen wie „bin ich zu alt für E-Gitarre?“ oder „aber in meinem Alter werde ich eh keine Lindsey Stirling mehr“ oder „Meine Tochter soll aber lieber Klavier lernen, das kommt gut an in höheren Kreisen“ …kannst Du einfach vergessen. Auch Klischees wie „Mädchen spielen Flöte und Jungs Schlagzeug“ sind: Blödsinn.

 

Dir gefällt ein Instrument? Du willst Musik machen? Die Umstände erlauben es?

DANN LOS!

 

(*) Du spielst Bachs Flötensonaten DOCH auf einer Tin Whistle? RUF.MICH.AN.