Blockflöte? HAHAHAHAHAHAHA

 

 

Blockflöte? HAHAHAHAHAHAHAHA

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Blockflöte und einer Zwiebel?

Wenn man die Zwiebel schneidet, muss man weinen.

 

Die liebevoll gepflegte Feindschaft zwischen Quer- und Blockflötisten hält sich so hartnäckig wie jene zwischen Bayern und Österreichern und entspringt wahrscheinlich derselben Wurzel: zu große Ähnlichkeit.

Aber mal davon abgesehen: Hab ich richtig geschrieben? „Blockflötisten“? Kann es sowas geben? Blockflöte kann doch jeder, haben wir doch alle in der Grundschule gelernt!

Und wie oft kommen schon Zehnjährige zu mir, mit der Aussage: „Blockflöte kann ich, jetzt will ich die richtige Flöte lernen.“

 

Wie kommt’s dann, dass viele Musikhochschulen Blockflöte als Studiengang anbieten? Spielen die Studenten dann den ganzen Tag Bruder Jakob? 

Ja, das tun sie. Allerdings in verschiedenen Tonarten.

NEIN!!! Bevor jetzt ein Shitstorm auf mich niedergeht: War ein Scherz, sie spielen auch Weihnachtslieder - ohmann, es ist einfach stärker als ich…

 

So, jetzt aber im Ernst:

Blockflöte kann man studieren, weil Blockflöte ein richtiges Musikinstrument ist. (Puh, das war schwer.)

Wie schwer es tatsächlich zu spielen ist, müsste sich eigentlich jeder schon denken können, der jemals versucht hat, einer Blockflöte einen geraden und wohlklingenden Ton zu entlocken. Zu wenig Luft und es wimmert. Zu viel und es kiekst. Wie ein richtiger Blockflötenton klingt, haben wahrscheinlich die wenigsten von uns je gehört, weil bei den meisten nach ein bis zwei Jahren Schicht im Schacht ist: immer nur Kinderlieder, mal ein fades Menuett und an Weihnachten Ihr Kinderlein kommet…? Na danke. 

Diese schlechten Erfahrungen haben wir aber ganz einfach schlechten Blockflötenlehrern zu verdanken. Oder Grundschullehrerinnen, die ihre Klassen anscheinend zu leise fanden und deswegen jedem Kind eine Schrottflöte in die Hand gedrückt haben.

Die eigentlich gute Idee im Hintergrund: Jedes Kind sollte ein Instrument und Notenlesen lernen. Und weil eine Sopranblockflöte schön leicht und handlich ist und man schnell erklären kann, welcher Finger welches Loch zumacht, außerdem jeder Mensch ausatmen und somit auch in einen Windkanal blasen kann, stand der Massenvergewaltigung dieses Instruments nichts im Weg. 

Kein Wunder, dass ein Instrument, das man nur in Billigausführung aus der zweiten Klasse kennt, landauf, landab nur verarscht wird. Wenn alle Kinder in der Grundschule in Dreißigergruppen Kinderlieder auf Geigen spielen müssten, ohne von einer guten Geigenlehrerin unterrichtet zu werden, und ohne dass jemals im Radio gute Geiger zu hören wären, würde die Geige wahrscheinlich den gleichen Imageverlust erleiden…

 

Zum Glück übertreibe ich.

Seit gut vierzig Jahren wird - von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt - hartnäckige PR in Sachen Blockflöten-Image betrieben; man kennt die betreffende Werbeagentur auch unter dem Namen „Alte-Musik-Bewegung“. Die Blockflöten haben es ihretwegen - zu Recht - an die Hochschulen geschafft. Viele Musiker der Alten-Musik-Szene haben sich angeschaut, was es an Originalnoten in den Bibliotheken gibt und dabei festgestellt, dass Komponisten die Blockflöte hoch schätzten und unfassbar viel für sie geschrieben haben! Unzählige Chorstücke wurden auf Blockflöten gespielt, weil die Blockflötenfamilie mit ihren verschiedenen Registern (Sopran, Alt, Tenor, Bass) genau den Registern der Singstimmen entspricht. 

Sie war im 17. Jahrhundert ein Standard-Orchesterinstrument (Querflöte übrigens nicht), und die berühmtesten Barock-Komponisten wie Vivaldi, Händel oder Bach haben wunderschöne Stücke für Blockflöte geschrieben.

Noch aus der Zeit vor dem Barock stammen sauschwere, extrem virtuose Blockflötenwerke, die heute nur ausgebildete Spezialisten spielen können. Und wo werden die ausgebildet? Eben, an der Musikhochschule. Um dort aufgenommen zu werden, muss man schon sehr fingerfertig sein, aber im Studium geht’s dann erst richtig zur Sache:

Blockflötisten lernen nicht nur, wie man auf allen Blockflöten von Sopranino bis Subbass schöne (wirklich schöne!) Klänge erzeugt und mit den paar Löchern die kompliziertesten und schnellsten Stücke spielt, sondern sie haben außerdem (neben den ganz normalen Theoriefächern) noch Unterricht in Verzierungspraxis, Generalbass, historischer Artikulationspraxis uvm. Weil es Blockflöten schon so früh gab und immer noch Stücke für sie geschrieben werden (die meist NOCH komplizierter zu spielen sind als die alten Werke), müssen sich Blockflötisten mit sehr vielen Stilen auskennen (nur in der Romantik wurde nicht so viel für sie komponiert, weil man erkannte, wie toll Querflöten sind - sorry). Und dazu absolvieren die meisten noch ein pädagogisches Studium, um Kindern und Erwachsenen die ganze Vielfalt der Blockflötenwelt nahebringen zu können - ohne schräges Gequietsche im Akkord.

 

Mittlerweile hat die Blockflöten-PR gefruchtet, und es gibt in der Klassikszene richtige Blockflötenstars, wie z.B. Dorothee Oberlinger u.a. Trotzdem sind darüber hinaus noch so unglaublich tolle Musiker und Ensembles unterwegs, die beileibe nicht nur elitäre Mugge bieten, sondern genauso viel Beachtung verdienen wie all die Geiger, Pianisten, Sänger und, ja: Querflötisten, die „man so kennt“.

Deswegen komme ich hier mal meinem Bildungsauftrag nach und empfehle Euch unten ein paar Videos - viel Spaß!

 

Falls ich irgendwelche Sachen gefaselt habe, die man nicht versteht, oder über die Ihr mehr wissen möchtet, meldet Euch einfach in den Kommentaren :-)

 

The Royal Wind Music: https://www.youtube.com/watch?v=Y4XIOwLBAeY

Seldom Sene: https://www.youtube.com/user/SeldomSeneQuintet

Spark: https://www.youtube.com/watch?v=Qp-DhGTQseY

Blockflute Masters (Trailer): https://www.youtube.com/watch?v=O-3qE_z0OTA

 

@liebe Blockflötenfreunde: fallen Euch noch mehr gute Videos ein? Dann in die Kommentare damit? Danke!