Querflöten

Eines der ältesten gefundenen Musikinstrumente ist eine steinzeitliche Flöte aus Vogelknochen. Auch wenn wir nicht wissen können, welche Musik die Menschen damals solchen Instrumenten entlockt haben, kann man sich doch gut vorstellen, wie fasziniert sie vom Flötenklang waren, der an das Säuseln des Windes, an das Zwitschern der Vögel und an die eigene menschliche Stimme erinnerte.

Die Faszination für Flöteninstrumente hat die Menschen bis heute nicht losgelassen.

Allerdings wurde ihre Bauweise immer wieder verändert. Ich will nicht sagen, verbessert, weil das bedeuten würde, dass unsere heute gebräuchliche Querflöte "besser" wäre als ein Renaissance-Instrument.

Jeder Flötenbauer ist ein Kind seiner Zeit und versucht die Flöten seiner Zeit so weit wie möglich zu optimieren, so dass die Musik seiner Zeit möglichst gut zur Geltung kommt und mühelos gespielt werden kann.

So ist über die letzten 500 Jahre eine beeindruckende Vielfalt an Flötentypen entstanden: 

Von der klappenlosen Renaissanceflöte, die aus einem einzigen Rohr bestand, über barocke Querflöten mit mehreren Teilen und einer Klappe, bis hin zu romantischen Klappenflöten, die die Fingertechnik der damaligen Flötisten arg herausgefordert haben. Die letzte große Veränderung war die Erfindung der Böhmflöte vor etwa 150 Jahren. Sie wird heute als Standardinstrument für Querflötenmusik aller Epochen benutzt.

Auch ich habe natürlich zunächst auf der Böhmflöte gelernt. Nachdem ich aber zum ersten Mal barocke Musik auf einer barocken Flöte spielen durfte, war es um mich geschehen. Ich hatte das Gefühl, das perfekte Werkzeug für diese Art von Musik in der Hand zu halten. Zum Glück bin ich zu einer Zeit aufgewachsen, in der die "Alte-Musik-Bewegung" auf dem Vormarsch war, so dass ich jederzeit nachgebaute historische Flöten ausprobieren konnte. (Hier ist vor allem meinem Lehrer Peter Thalheimer zu danken, der uns Studentinnen mit einer Vielzahl von Flöteninstrumenten vertraut gemacht hat.)

Heute haben wir mehrere hervorragende Flötenbauer in Europa, die sich auf den Nachbau historischer Flöten spezialisiert haben. Durch die "Alte-Musik-Bewegung" hat sich außerdem bei vielen Musikern ein Bewusstsein dafür herausgebildet, dass es sich lohnt, historische Quellen zu studieren, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Flöten früher gespielt wurden.

Ich selbst spiele bei Barockprogrammen hauptsächlich eine Hünteler Denner von Fridtjof Aurin.

Zeitgenössische Musik macht mir am meisten Spaß, wenn ich dabei auch Alt- und Bassquerflöten verwenden darf.